RIDING WITH THE
PRO´S:
Es gibt Träume, die werden irgendwann einfach Wirklichkeit. Mann
hat diesen einen Traum immer im Kopf und stellt sich vor, wie dieser
Real aussehen könnte und dann kommt dieser Tag! Völlig unerwartet
und überraschend sollte ich diesen Traum erleben dürfen. Ich
brauchte nicht einmal durch eine dieser vielen Castingshows im TV zu
gehen, um ausgewählt zu werden oder gar Tausende von Euros bezahlen,
um mir diesen zu erkaufen. Ich hatte einfach das Quäntchen Glück
an diesem Tag.
Der Treffpunkt ist der RockyMT Stand beim Bike Festival in Riva del
Garda ( Italien ).
Hier wird erst mal ausgiebig diskutiert, welcher Trail heute gefahren
werden soll und auch den Pro´s wird hinterher telefoniert. Die
haben nämlich Verspätung und so entscheiden wir uns, ohne
es mit den Pro´s abgesprochen zu haben, für den legendären
SixOone am Gardasee. Wir, das ist eine bunt gemischte Kollektion von
10 deutschen Freeridern, blutjunge Heizer sowie alte Hasen. Als erster
Pro kommt Dennis Stratmann, der seit dieser Saison für RockyMT
und Race Face fährt, hinter dem Messestand hervor gekrochen, aber
immer noch keine Sicht vom kanadischen Popstar...okay, plötzlich
heißt es auf zum Shuttle und ab auf den Berg. Unterwegs sollen
wir den Star aufsammeln. Der hatte heute morgen schon einen Fototermin
und wartet in den Olivenhainen auf dem Weg zum 601 auf uns. Also let’s
go. 20 Minuten später wird es bei uns im Shuttelbus unruhig, alles
tuschelt und gackert wie die aufgeregten Hühner, denn da stehen
plötzlich 2 Popstars vor uns. Wade Simmons hat seinen Freund Richie
Schley davon überzeugt, dass es heute Vormittag nichts besseres
gibt, als mit uns den Berg hinunter zu fahren...15min später sind
wir am Startpunkt unserer Tour. Auf einem Hüttenparkplatz bei Dos
Casinas machen wir uns fertig für die Abfahrt. Ich trödle
ein wenig herum, mache einige Fotos und plötzlich sind alle weg.
Wade packt mit an
Wer zuletzt beim Shuttle ankommt, muss auf dem Dach
sitzen!

Kaffeefahrt auf dem 601???
Okay ich kenne den Weg und nix wie hinterher. Zum Glück habe ich
sie fix an der nächsten Wegkreuzung eingeholt, sie wussten nicht
richtig weiter und so übernehme ich kurzerhand die Führung.
Tja da bin ich nun in meinem Traum und irgendwie ist der völlig
anders, als ich mir das vorgestellt hatte...Ich ballere den Trail hinunter,
gerade dieser Abschnitt ist mein persönlicher Favorit. Hier fahre
ich immer mein eigenes inneres Rennen. Ich treffe die Linie sehr gut
und lasse es ordentlich schnell laufen. Beflügelt durch die Verfolgung
der Meute hinter mir, fahre ich zur Höchstleistung auf bis ich
merke, dass die Truppe gestoppt hat. Der erste Defekt will repariert
sein und einige der Jungs haben auch schon Feindberührung mit den
harten und großen Steinen hier auf dem Weg gehabt.

... und trotzdem gehen Sachen kapuut
Ich fahre nun die nächsten Stücke des Trails in der Gruppe
und wundere mich ein wenig, wie vorsichtig der Herr Schley heute fährt...
Dennis und Wade lassen es ordentlich krachen, so auch wie allen anderen
und bei denen wird das Grinsen immer größer. Wade scheint
sich aber auch über seinen Kollegen zu wundern und tauft Ihn kurzerhand
in Bitchie Schley um ;-)). Das der Richie fahren kann, wissen wir ja
alle, nur nicht, dass er etwas später noch einen Fototermin und
eine Autogrammstunde bei Rotwild hat und sich deshalb schont.
Kurz bevor wir auf den einzig wahren und echten Abschnitt des 601 gelangen,
passiert es, mein Bike schaukelt sich bei hoher Geschwindigkeit so sehr
auf, dass es mich abwirft, und ich mich 2-fach überschlage und
mit meinem Helm eine Vollbremsung an einem fetten Stein mache. Behutsam
zähle ich meine Knochen, alles noch da und in einem Stück.
Glück gehabt! Die rechte Hand und ein Oberschenkel schmerzen aber
sehr stark. Mein Kopf dröhnt und mit großen Respekt vor der
Plastikschale rufe ich den andern Wartenden zu, dass mir mein Helm sicher
das Leben gerettet hat , auf alle Fälle aber mich vor Schlimmerem
bewahrt hat. Wie auch nun Wade sagt: never bike without a helmet ! Ja,
safty first. Mein Bike ist ordentlich lediert, Schaltwerk abgerissen,
Hinterreifen platt, Felge zerdonnert, etc...
Mein Teamrider Jasper Jauch kümmert sich um den Plattfuss und auch
Wade Simons - ein netter Kerl ohne Starallüren - hilft mir bei
der Reparatur. Dank seines tollen kanadischen Handytools und meinem
Ersatzschaltauge kann die Fahrt kurze Zeit später zügig fortgesetzt
werden. Weiter geht es in Richtung Torbole über den heftigeren
Abschnitt des 601. Doch auch Pro´s können stürzen und
so muss der Starmechaniker Wade an Bitchies Bike das Schaltwerk „flicken“.
Dank ein paar vorhandener Kabelbinder kann auch er weiterfahren. Nach
diesem Zwischenstopp fahre ich direkt hinter Wade und Richie. Ja die
können schon Klasse fahren, aber so schlecht mache ich heute meinen
Job auch nicht. Dennis und Richie haben es plötzlich sehr eilig,
denn die nächsten Termine warten schon und rufen sie zu schnellerer
Weiterfahrt. Wir surfen noch den Trail so gut es geht mit Wade zu Ende
und als traditionellen Abschluss gönnen wir uns eine Latte Macchiato
in Mecki’s Bar in Torbole.
Wade spricht Stephan noch ein Kompliment für seine tollen Fahrkünste
aus und somit glaube nun auch ich Stephans Aussage, dass er den 601
heute ohne Schmutzfuß gefahren ist. Respekt alter Heizer! Aber
was rede ich hier, wir spielen ja beide in der gleichen Liga ;-)
Tja, nun ist er ausgeträumt mein Traum. Ich sitze hier vor der
Bar und beobachte die Szenerie und denke nur, dass es die Kanadier nicht
leicht haben. Alle erkennen die Jungs prompt als die Popstars der Freeride
Szene und wollen Autogramme, Fotos und Smalltalk mit Ihnen...Ja das
Leben kann schon hart sein....

Hat ja doch Spass gemacht!
P.S.: Am Abend ist meine rechte Hand so stark angeschwollen, dass nichts
mehr damit geht. Sehr ärgerlich, dass nun die beiden letzten Tagestouren
ausfallen müssen. Meine Laune sinkt auf ein Tiefpunkt. Manchmal
ist der Preis, den man für seinen Traum bezahlt, doch etwas hoch.
Und für alle, die es noch nicht wussten: kanadische Popstars fahren
auch nicht viel anders als wir Krautfresser, sind auch nur aus Fleisch
und Blut, fühlen sich auch meist wie normale Menschen an. Und ob
du mit diesen Profis fährst oder mit deinen besten Kumpels, alles
egal, das Wahre, das was zählt, ist dein Spaß auf dem Trail.
Also mache dir nichts vor und rocke dein Bike und ab dafür!
ein neues Liebespaar?
Die Armen, die keinen Shuttle hatten!
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