Bike
Festival Riva del Garda 06
Jedes Jahr zur Saisoneröffnung in Riva am Gardasee ist es Tradition,
dass sich alle Wildsau Enthusiasten zu einer gemütlichen Ausfahrt
auf den örtlichen Trails treffen. Mit dieser Tradition wollten
wir auch in diesem Jahr nicht brechen:

Der Wettergott schien sehr ungehalten über unseren Aufenthalt
in Italien zu sein und schickte in der Nacht vor der geplanten Wildsau
Ausfahrt Regen, Sturm und im Gebirge sogar Schnee um die Sautreiber
vom Radeln abzuhalten. Am Sonntag war dann klar, die geplante Route
ist unpassierbar und shutteln fällt auch flach.
Also brachen am vorletzten Festival Tag Alutech Oberschweißwurst
Jürgen Schlender und meine Wenigkeit, Haussklave Thomas Spöttl,
zusammen mit zwei Artgenossen auf, den passo Roketta unsicher zu machen.
Aus Ermangelung an eigenem Material (wie war das noch mit des Schusters
Kindern*?) musste ich mir noch die Gunst eines Mitarbeiters einer großen
Amerikanischen Schmiede erflehen und durfte mir für einige Stunden
ein sehr CC-orientiertes Bike ausleihen, welches angeblich über
eine gewisse Intelligenz verfügen sollte. Die schmalen Reifen und
kleinen Bremsen ließen mich jedoch etwas verunsichert.
Von Riva aus ging es auch gleich rauf in Richtung alpinem Hochland.
Man wählte in Ermangelung eines Shuttels die Crosscountry Autobahn
gen Gipfel und schraubte sich gemütlich den großen Haufen
aus Fels, Dreck und Bikern nach oben. Nach einer unverdienten Spaghettipause
auf halber Höhe (die Kraft braucht man ja nachher für die
Strecke bergab) wurde kurz vor dem Gipfel noch das für uns Flachländer
atemberaubende Panorama aus See- und Bergwelt bewundert.

Dann folgte auch nach ein paar weiteren Höhenmetern
endlich die Einfahrt in den Trail. Kurvig und schnell ging es jetzt
talwärts, nach langem Winter endlich wieder Fahrtwind, Protektorengeruch
und geweitete Pupillen – der süße Adrenalingeschmack
war auch schon fast vergessen, die Saison ist endlich wieder eröffnet!
Enge Kehren oder „Tornanti“ wie der Italiener sagt und knüppelharte
Steinpassagen brachten alle ins Schwitzen. Eine kurze und knackige Schiebepassage
brachte uns danach über einen Pass auf die Rückseite des Berges
von wo aus es ins Ponale Tal ging. Dort oben trafen wir beim Anlegen
von Helm und Protektoren auch auf zwei Herren aus dem östlichen
Teil Europas, die sich verfahren hatten und eben mit Ihren Bikes aus
einer Steilwand abstiegen. Überglücklich Ortskundige getroffen
zu haben, schlossen sie sich uns an.
Im Trail 422 überwiegten jetzt rutschige Geröllabfahrten
und wohldosierte Bremseinlagen waren gefragt. Der Geruch nach frisch
gebackenem Bremsbelag kitzelte wiederholt die Nasenschleimhäute
und auch Fury mein CC-Hengst kam an sein Limit, ließ mich aber
dann doch nicht im Stich.
Das letzte knifflige Teilstück bis zur Straße
wurde jetzt flott gemeistert und wir machten uns auf den Rückweg,
um unser wohlverdientes Bier zu trinken.
Wer jetzt nicht vom italienischen Dolce Vita überzeugt ist, sollte
sich mal eine Autopanne inkl. ADAC Übernachtung in einem einsamen
Bergdorf leisten, wo die spannendste Beschäftigung das Beobachten
der Apfelblüte ist.

Mehr Fotos gibt's sobald Stefan uns seine auf CD gebrannt
hat. Bis zum nächsten Festival, bei hoffentlich durchweg bestem
Wetter. Ride On!
*für die Generation Handyklingelton: „Des
Schusters Kinder laufen barfuss“
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