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Doch nun genug der Worte!

Jetzt geht's los!

 

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Martin Meese


Berit Peymann


Jürgen Schlender

09.07.2007
Nur noch zwei Tage, dann ist es soweit: Alutech geht auf Betriebsausflug über die Alpen


Rückblende

Die Idee zu diesem Unternehmen wurde vor über einem Jahr geboren, und zwar - wie könnte es anders gewesen sein - am Gardasee. Damals war Marcello, unser Lieblings-Shuttle Service in Riva, hoffnungslos ausgebucht und da blieb uns nichts anderes übrig, als selbst die Berge hochzufahren. Abends saßen wir - das waren Jürgen, unser Freund Martin und ich - beim Bier zusammen und irgendjemand von uns meinte plötzlich: "Hey, warum machen wir eigentlich nicht mal einen Alpencross mit den Freeride-Bikes? So wie die Jungs von der Freeride!!??" Wir waren alle sofort Feuer und Flamme, denn insgeheim war das schon immer unser Wunsch, der allerdings bisher nur in weiter Ferne herumgeisterte.
"Ja, das machen wir irgendwann mal... wenn wir älter sind, und zu alt für Downhill..." hieß es dann immer.



Who's who??
Lang lang ist's her - Alpencross?? Da hatten wir damals noch gar nichts von gehört.
Und wir hätten uns darüber sowieso nur tot gelacht.



Man könnte sich fragen, ob wir denn jetzt alt genug sind, um ohne Imageverlust einen Alpencross wagen zu können? Und heißt das nun im Gegenzug, dass wir zu alt für Downhill sind? Wohl kaum (jedenfalls, was die Jungs angeht. Ich selbst habe schon vor etlichen Jahren in Bad Wildbad meine Downhillambitionen zu Grabe getragen - damals bei diesem unsäglichen vom Neuschnee erstickten Bundesliga-Event. War es überhaupt schon Bundesliga? Oder war das noch früher? Ich weiß es nicht mehr).


Jedenfalls gab dann ein Wort das andere und schon war es beschlossene Sache:

Wir fahren 'FETT ÜBER DIE ALPEN'

Mit diesem Ziel vor Augen machte ich erstmal eine persönliche Bestandsaufnahme: ich hatte seit ungefähr 5 Jahren so gut wie überhaupt keinen Sport mehr getrieben (nämlich von dem Zeitpunkt an, als ich bemerkte, dass es Nachwuchs geben würde). Mein letztes 'Downhillrennen' war in Malente im Sommer 2001. Das war kurz vor der Diagnose, und Jürgen behauptet immer, dass wir unsere Zwillinge nur deshalb bekamen, weil ich dort im Rennen gestürzt bin. Tja, wer weiß?
... Also 5 Jahre kein Sport. Dafür aber Zwillinge, eine Firma, einen Beruf, einen Hund....Wo sollte ich also die Zeit für's Training hernehmen?

Es musste alles in meinen Alltag eingebaut werden. Ich begann morgens vom Kindergarten zurück nach Hause zu laufen, mittags mit dem Fahrrad wieder hin, Fahrrad in's Auto, Kinder einladen und zurück. So hatte ich schon zweimal in der Woche 4km Jogging abgehakt und obendrein Benzin eingespart. Außerdem begann ich, mit dem Fahrrad zur Arbeit zu fahren. Für die 10 km brauchte ich nur knapp 15 Minuten länger, als mit dem Auto. Immerhin 1-2 mal die Woche 20km Fahrrad und wieder Benzin gespart. Ich ging Laufen, wenn die Kinder beim Turnen waren, auch um nicht 4mal 4km mit dem Auto zu fahren, und ich ging schwimmen, wenn die Kinder im Schwimmkurs waren.

Dann beschloss ich, ebenfalls nach jahrelanger Pause mal wieder an einem Jedermann-Triathlon teilzunehmen. Da ich aber das Schwimmen überhaupt nicht leiden kann, versuchte ich Jürgen und einen guten Freund zu motivieren, eine Staffel zu bilden. Ich wollte die 5km laufen, Dirk sollte schwimmen und Jürgen Rennrad fahren. Gesagt getan... Das Event war Ende August 2006 in Rieseby. 500m Schwimmen, 17km Fahrrad und 5,5 km Laufen. Es war ein brütend heißer Tag. Ich hatte mir am Tag zuvor eine Pulsuhr gekauft und die sollte nun eingeweiht werden. Schon vor meinem Start lag mein Puls bei 120. Das konnte ja heiter werden. Dirk schwamm also und schlug sich wacker. Jürgen hatte darauf bestanden, seinen Downhillhelm zum Radrennen aufzusetzen - und das bei 30°C im Schatten - tolle Idee!

Er fiel fast bewußtlos vom Bike (ein Wunder, dass er das Rennen nicht auf der Wildsau DH bestritten hat...). Ich hatte aber keine Zeit, darauf groß zu achten, denn nun mußte ich losrennen. Und zwar viel zu schnell.... Die erste Runde um den Sportplatz animierte einfach dazu, viel zu schnell loszulegen. Das rächte sich schon auf dem ersten Kilometer. Meine neue Uhr piepte und piepte. Der Puls lag immer über 170 und so fühlte ich mich auch. Ich schleppte mich aber weiter und weiter immer in der Hoffnung, dass mich schon jemand auflesen würde, wenn ich kollabierte. Nach einem Drittel der Strecke bekam ich Kopfschmerzen. Toll!! Ich kämpfte mich immer weiter durch die sengende Hitze. Dann sah ich plötzlich Jürgen. Er kam mir auf dem Bike entgegen, goß mir Wasser über den Kopf und gab mir moralische Unterstützung. Ich brachte es zuende, warf mich im Ziel auf den Boden und blieb tatsächlich am Leben...


Nach ungefähr 3 Monaten Lauftraining hatte ich mir das Ergebnis eigentlich anders vorgestellt, aber nun ja. Ich machte einfach weiter mit dem Laufen und dehnte meine Runden langsam weiter aus. So ging das bis zum Winter. Um in der kalten und outdoor-sport unfreundlichen Jahreszeit nicht mit 1000 Ausreden auf der faulen Haut zu liegen, beschloss ich im Frühjahr am Eckernförder Stadtlauf teilzunehmen und zwar über 10km. Die Rechnung ging auf. Ich ging dreimal in der Woche laufen und das den ganzen Winter über. Nur zum Fahrradfahren konnte ich mich nicht aufraffen. Die Rolle steht seit Monaten in der Wohnung, seit zwei Wochen steht auch ein Fahrrad drauf, und ich bin einmal gefahren. 15km mit Mühe und Not - es macht einfach keinen Spaß. Aber um große Touren im wirklichen Leben zu fahren, fehlte mir dann doch die Zeit und auch der Trainigspartner, denn allein macht mir das auch keinen großen Spaß.

Dann kam der Stadtlauf. Ich fühlte mich gut vorbereitet. Dummerweise stand ich beim Start in der zweiten Reihe, dort wo die ganz Schnellen stehen, und genau so schnell lief ich auch wieder los. Zum Teil auch, um nicht überrannt zu werden. Nach ein paar hundert Metern war bei mir die Luft schon raus - buchstäblich! Ich wurde überholt, überholt, überholt und schleppte mich die erste lange Gerade herunter. Irgendwann fand ich mein Tempo und hielt einigermaßen meine Position im Rennen. Unterwegs überlegte ich mir, einfach nach der ersten Runde rechts raus zu laufen. Dann eben nur fünf Kilometer... Aber so ganz ohne Wertung, einfach aufgeben?? Ich biß die Zähne zusammen und lief an der 5km Marke weiter auf die zweite Runde. Inzwischen konnte ich sogar ein paar Läufer wieder einholen, die mich auf der ersten Runde überholt hatten. Eine Weile ging es ganz gut, aber dann kam die Müdigkeit. Meine Beine fühlten sich an wie Gummi. Noch zwei Kilometer! Meine Freunde standen an der Strecke und feuerten mich an. Also noch mal zusammenreißen und nicht vorbeistolpern, sondern laufen. Die letzte Kurve vor Augen zog ich nochmal an. Dann sah ich das Ziel und konnte sogar noch ein bisschen zulegen. Wow! Am Ende kam eine Zeit von 53:57 Min heraus. Mein Ziel, unter einer Stunde zu bleiben, hatte ich damit weit unterboten!

Ein paar Tage später starteten wir dann zu unserer üblichen Frühlingstour an den Gardasee. Hier wollten wir ein paar Höhenmeter platt machen, das Festival und die Sonne genießen und uns dabei vom Arbeitsstreß erholen. Die Jungs unternahmen ausgedehnte Uphill-Downhill Touren und ich hütete zunächst mal die Kinder. Einen Abend fuhr ich dann mit Martin nach Pregasina rauf und zwar so schnell es ging. Es ging gut...! Am folgenden Tag hatte ich kinderfrei, und Martin und ich wollten eine Tour am Monte Baldo unternehmen. Hoch bis Prati di Nago und dann den Downhill nach Narvene runter. Es war schon schön heiß, als wir starteten. Schon auf den ersten Höhenmetern fing mein rechtes Knie an zu zicken. Was war denn das? So was hatte ich ja noch nie? Ich ignorierte das und fuhr weiter. Bis auf das Knie ging es sehr gut. Das Lauftraining hatte sich doch bewährt. Ungefähr 200hm vor Prati di Nago fing dann plötzlich auch noch mein linkes Knie an zu schmerzen. Ich schleppte mich aber noch bis nach oben. Dann kam der Downhill! Das hatte ich seit nunmehr 6 Jahren nicht mehr gemacht (mit Ausnahme der alljährlichen Tremalzo Tour).

Die Oberschenkel fingen schnell an zu brennen. Ein paar Kehren fahren, dann anhalten Beine ausruhen, weiter... So ging es langsam dem Tal entgegen. Interessanterweise ging mein Puls während des Downhills auf über 160 hoch. So hoch war er den ganzen Weg bergauf nie gewesen. Da soll noch mal einer behaupten, dass Downhill fahren nicht anstrengend ist!! Außerdem maulte ich mich dann auch noch zweimal ganz ordentlich. Irgendwie schaffte ich es aber, den Berg einigermaßen heil herunter zu kommen. Mit zitternden Beinen kam ich in Narvene zum Stehen. So recht wußte ich nicht, ob ich überhaupt vom Rad würde steigen können. Es ging so gerade. Ich schleppte mich in einen Kiosk und deckte mich mit Schokoriegeln ein. Ein paar Meter weiter war eine Bank. Bis drei zählen, losgehen... Hurra, geschafft, ohne, dass die Beine versagen, und erstmal hinsetzen. Die Schokolade war klasse, die Aussicht auch, jedenfalls die auf den See. Die auf die 10km Fahrt zurück nach Riva nicht so... Irgendwann geht jede Pause mal zuende. Also aufgestanden und hin zum Bike, das unschuldig an die Bank gelehnt dastand. Am Bike festhalten, ein Bein über den Sattel, ohne das Gleichgewicht zu verlieren, geschafft.... Und los! Martin gab mir ordentlich Windschatten, und als ich erst einmal wieder in Gang war, ging es tatsächlich. Wir fuhren bis zu Mekkis Bar und machten dort die nächste Pause. So langsam kehrte das Leben in meine Beine zurück und nach einem Weizenbier waren auch die Schmerzen erträglich geworden. Nachts wußte ich trotzdem kaum, wie ich liegen sollte, und an den nächsten zwei Tagen ging garnichts mehr. Ich konnte kaum mein rechtes Bein um 30cm vom Boden anheben. Und dann war der Urlaub auch schon um, und es ging wieder zurück in die norddeutsche Tiefebene, wo der höchste Berg kaum 100m hoch ist.

Zuhause angekommen, beschloss ich Krafttraining zu machen. Da war doch noch die Zehnerkarte für's Fitnessstudio, die seit 3 Jahren in meinem Portmonnaie schlummerte? Jetzt wurde es Zeit, dafür Stunden im Studio einzutauschen. Ein Blick auf die Karte offenbahrte mir, wie oft ich in den vergangenen Jahren dort gewesen war. Hm... 2004 war ich wohl einmal im Studio gewesen. Dafür im Jahre 2005 gleich doppelt so oft, nämlich zweimal. 2006 dafür garnicht, aber jetzt....!! Es dauerte trotzdem noch fast 4 Wochen, bis ich mich aufraffte. Anfang Juni begann ich damit. Meine persönliche 'Drill-Instruktorin' Ute machte mir einen Plan: dreimal die Woche Kraft- und Kraftausdauertraining. Heute nun war ich das letzte Mal vor unserer Abfahrt dort. Ich hoffe, dass es etwas gebracht hat, denn nun gibt es kein zurück mehr.

Eine letzte Bestandsaufnahme 09.07.2007

So kurz vor unserer Abreise, kommt so langsam das mulmige Gefühl in mir hoch: Hast du genug getan? Hast du genug Kraft? Kannst du mit den Jungs mithalten? Ein bisschen schlechtes Gewissen ist auch dabei: ich hätte noch mehr tun sollen, vor allem mehr Fahrrad fahren. Es dreht sich doch alles nur ums Fahrrad - warum bist du nicht mehr gefahren!? Danke Maren! Die Ausfahrten mit dir waren klasse! Wir hätten das einfach öfter machen sollen.

Aber zuletzt war ich vielleicht doch zuviel mit anderen Dingen beschäftigt:
Da war die wiederentdeckte Zuneigung zu meiner Gitarre, die seit über 20 Jahren unter dem Bett einstaubte. Im Januar fiel sie mir plötzlich in die Hände und hat seit dem einen erheblichen Anteil an meiner Freizeit beansprucht. Hätte ich statt dessen nicht lieber auf der Rolle fahren sollen? (Danke Maria, ich bereue trotzdem keine Minute!)
Dann der 500 Seiten Schinken, den ich unbedingt am letzten Wochenende noch am Stück verschlingen musste. Danke Anthony! Dein Buch hat mich erfolgreich vom Fahradfahren, Laufen und Trainieren abgehalten! Aber mitnehmen wär auch schlecht gewesen. 614g extra nur für ein Buch - unmöglich! (Ich werde einfach den Red Hot Chili Peppers die Schuld geben, wenn ich vorzeitig vom Rad steigen muß!)
Vielleicht hätten wir ja auch mal in den Harz fahren können, um noch ein paar Höhenmeter zu tanken! Aber da fehlte dann wieder die Zeit. Oder sollen wir uns jetzt auf die Schnelle noch ein paar Einheiten E.P.O. verschreiben lassen? Allerdings habe ich gehört, E.P.O. ist seit Samstag ausverkauft - der ganze Markt wie leergefegt....! Strange!
Es muß also ohne gehen!

Übermorgen ist es nun endlich so weit. Aber glauben, dass es wirklich los geht, werde ich es erst, wenn wir in Ischgl in der Gondel sitzen. Ich werde versuchen, euch täglich von unterwegs auf dem Laufenden zu halten!

Hier geht es zu meinem Tagebuch!

Die Route

Zunächst geht's mit dem Auto nach Ischgl. Dort starten wir voraussichtlich am Freitag, 13.07.2007 auf die erste Etappe.
(Oh je! Freitag der 13.!! Gut, dass ich nicht abergläubisch bin!)
Wir haben uns keinen strikten Plan auferlegt und keine Unterkünfte gebucht. Wir fahren jeden Tag so weit wir kommen und suchen uns dann ein Zimmer, Bett...(Hoffentlich müssen wir nie in die Rettungsdecke gewickelt im Nirvana übernachten).
Von Ischgyl geht's Richtung Idjoch los. Weitere Stationen ganz grob: Heidelberger Hütte, Fimberpass, Scoul, Santa Maria, Müstair, Laatsch, Tarscher Pass, Madonna di Campiglio, Riva del Garda

Die Bikes


Jürgens neuestes Baby - noch ohne Namen / Mein Bike - Uinonah von 2003

Jürgen hat eigens für den Alpencross ein neues Modell konstuiert. Ein Art Kreuzung zwischen Wildsau Hardride und Keiler. Schön leicht, aber trotzdem mit ordentlich Federweg versehen. Einen Namen hat das Kind noch nicht...Vielleicht fällt uns unterwegs einer ein.
Mein Bike hat schon ein paar Jahre auf dem Buckel. Für ein Neues hat die Zeit nicht mehr gereicht. Es ist eines unserer ersten Modelle - ein Ladybike namens 'Wildsau Uinonah'.

Sorry Martin! Ich habe leider kein Bild von deinem Santa Cruz Blur (Aber meinst Du, dass es schlau ist, mit einem 4cross Bike auf Alpencross zu gehen? Wir sind doch nur zu dritt...).

Die Teilnehmer

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